Unter dem Motto „Haltung in Zeiten der Polarisierung“ luden die Veranstalterinnen zu Diskussion, Austausch, Vernetzung und Performance ein.

Neben Keynotes von Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani, Prof. Dr. Anja Besand und Raphael Hillebrand erwartete die bundesweiten Teilnehmenden ein vielfältiges analoges sowie digitales Workshop-Programm. Praxiseinblicke ermöglichte am zweiten Tag ein Methodenhopping und nicht zuletzt bot YUNIK viel Raum für Austausch und Vernetzung für die rund 120 digitalen und 250 analogen Teilnehmenden vor Ort in Leipzig.

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gesprächsFORMATE MIT TURBO PASCAL

Drei Wochen vor Beginn der Konferenz hatte das Performance-Kollektiv Turbo Pascal mit der Auftaktveranstaltung einen Rahmen gesetzt für das, was in Leipzig intensiv stattfinden würde: Das persönliche Gespräch, der Dialog mit Bekannten und Unbekannten, der Ideenaustausch mit anderen Akteurinnen und Akteuren. Das digitale Auftaktformat „Unter vier Augen – ein kommunikatives Spiel für Zeiten der Veränderung“ gab den Teilnehmenden eine Vorschau auf verschiedene Facetten von Meinungsverschiedenheiten und abweichenden Positionen – und auf mögliche hierauf bezogene Reaktionen, Unsicherheiten und Fragen.

Dieser kommunikative rote Faden wurde direkt zu Beginn der Konferenz durch Turbo Pascal wieder aufgenommen und bis zum Ende gespannt: Vom interaktiven Check-in über die Konferenzbegleitung mit Speed-Datings bis hin zum performativen Abschluss verwob das Kollektiv Annahmen und Eindrücke, schaffte spontane Begegnungen und erhellende Blitzlichteindrücke.

AUSSTELLUNG „OFFENER PROZESS – NSU-AUFARBEITUNG IN SACHSEN“ UND GET-TOGETHER

Am Vorabend der Konferenz hatten alle Teilnehmenden die Möglichkeit in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig die Ausstellung „Offener Prozess“ , die sich dem NSU-Komplex widmet, zu sehen und an den Vermittlungsangeboten teilzunehmen. Die Leipziger Präsentation der Ausstellung und das dazugehörige Vermittlungsprogramm waren vom 17. März bis zum 22. Mai 2022 Teil von YUNIK, in Kooperation mit dem Sächsischen Staatsministerium für Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung. Die Ausstellung zeigte in beeindruckender Weise, wie politische Inhalte und Themen mittels zeitgenössischer Kunst gezeigt und diskutiert werden können.

Bereits vor der Konferenz waren der Besuch der Ausstellung sowie das Angebot von mehr als 50 dialogischen Führungen in verschiedenen Sprachen kostenfrei für alle Interessierten aus Leipzig und Umgebung zugänglich. Zahlreiche Schulklassen und Studierendengruppen sowie politische Gruppen und Vereine für politische und kulturelle Bildung nahmen das Angebot wahr. Thematische Veranstaltungen wie eine Podiumsdiskussion, eine Buchpräsentation oder auch die Kuratorinnenführung mit Ayşe Güleç rundeten das Angebot zur Ausstellung ab.

TALKS UND GESPRÄCHE, ZUSTIMMUNG UND WIDERSPRUCH

Mit welchem Selbstverständnis begegnen Akteurinnen und Akteure der kulturellen Bildung Fragen nach Identität und Repräsentation? Welche Räume kann Kunst öffnen und wo liegen die Grenzen der Kunstfreiheit? Welche gesellschaftspolitische Rolle kommt der kulturellen Bildung zu? Moderiert von Dr. Merjam Wakili sprachen Raphael Hillebrand (Tänzer, Choreograph und kultureller Bildner), Prof. Dr. Anja Besand (Lehrstuhl für Didaktik der politischen Bildung an der Technischen Universität Dresden) und Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani (Lehrstuhl für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Universität Osnabrück) in ihren Impulsvorträgen sowie in einer anschließenden Gesprächsrunde über Notwendigkeit und Wirkung des Haltung-Zeigens, über Anforderungen an Politik und Bildungseinrichtungen.

Der Talk der Gastgebenden mit Prof. Dr. Markus Hilgert (Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder), Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung), Dr. Gesine Märtens (Staatssekretärin im Sächsischen Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung) sowie Hortensia Völckers (Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes) verdichtete zum Abschluss des ersten Konferenztages die in einzelne Anwendungsfelder aufgefächerten Diskussionen schließlich wieder auf die zentrale Frage nach Möglichkeiten und Grenzen der kulturellen Bildung bei der Frage nach Haltung. Die bereits am Vormittag auf dem Podium formulierte These wurde bestätigt: In einer Gesellschaft, in der immer mehr Gruppen nach Repräsentation verlangen und Spannungen verhandelt werden müssen, sind politische Bildung und kulturelle Bildung gar nicht mehr voneinander zu trennen.

Auf welchen Ebenen die kulturelle Bildungsarbeit Unterstützung braucht, von wem und in welcher Form, wurde zum Auftakt des zweiten Konferenztages im Rahmen des Panels mit Peter Birkenhauer (John-Dewey-Forschungsstelle für die Didaktik der Demokratie an der TU Dresden), Michelle Bray (freiberufliche Diversitätsentwicklerin und Beraterin im Bereich Awareness), Dr. Skadi Jennicke (Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig) und Barbara Meyer (S27 Kunst und Bildung) besprochen – und dass es für eine wirksame Arbeit in diesem Feld nicht nur institutionelle Zustimmung braucht, sondern auch konkreten Schutz und aktive Maßnahmen.

WER UND WIE? WORKSHOPS UND METHODENHOPPING MIT DEM YAW! KOLLEKTIV

Ist Haltung vermittelbar? Und wie? Oder wie können mit künstlerischen Strategien demokratische Prozesse, Begegnung und Austausch initiiert werden? Zu diesen und weiteren Fragestellungen in den Themenbereichen Haltung, Solidarität, Deutung, Zukunft und Perspektivwechsel boten insgesamt 19 digitale und analoge Workshops von Akteurinnen und Akteuren aus Sachsen und dem ganzen Bundesgebiet Einblicke in die individuelle Bildungspraxis.

Beim „Methodenhopping – Zirkeltraining für die Methodenfitness“, kuratiert vom yaw! Kollektiv, stellten Expertinnen und Experten an zahlreichen Stationen vielseitige Methoden kultureller und politischer Bildung vor. Ein Kartenset zum Mitnehmen fasst hierzu sämtliche vorgestellte Methodenbeispiele zusammen und stellt sie allen bereit, die das persönliche Repertoire um erprobte Ideen aus der Praxis erweitern möchten.

AUSTAUSCH UND VERNETZUNG

Sowohl für die Vorträge und Diskussionen auf dem Podium, als auch für die zahlreichen Workshops, informellen Begegnungen und persönlichen Gespräche gaben die HALLE14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst sowie die angrenzenden Ateliers auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei einen wirkungsvollen Rahmen. En passant oder ganz gezielt fanden Begegnungen statt, konnten politische und kulturelle Bildungsakteurinnen und -akteure Erfahrungen und Positionen austauschen: Ein von Turbo Pascal angeleitetes Speed Dating führte zu überraschenden Gesprächen und Einblicken, während beim Sommerfest am Abend Themen und Inhalte im Freien vertieft werden konnten.